…zumindest in einem kleinen Örtchen in Nordhessen, genannt Hennemühle. Dort hat es Torsten und mich hinverschlagen für ein Reiterwochenende.
Wir fuhren am Freitag Mittag nach meiner Mikro-Übung los und kamen so gegen vier Uhr auf dem Hof an. Der Mensch, der uns begrüßte erschien auf den ersten Blick etwas seltsam und verwirrt, stellte sich dann aber noch als nett und hilfsbereit heraus. Wahrscheinlich wollte er uns nur einmal eingehend betrachten, denn immerhin würden wir ja in seiner Ferienwohnung wohnen. Besagte Ferienwohnung war echt riesig für zwei Leute, wir hatten sogar ein Zimmer zu viel. Doch überall war es schön hell und nett eingerichtet.

Nachdem wir uns eingerichtet hatten, machten wir einen kleinen Hofrundgang, entdeckten alle Pferde und machten uns ein Bild über den Hof. Die meisten Pferde standen artgerecht in der Herde draußen auf dem Paddock und konnten sich frei bewegen. Von Boxenhaltung weit und breit nichts zu sehen.
Nun brauchten wir aber noch ein paar Lebensmittel zum Überleben und fuhren einfach über die Dörfer, bis wir in Melsungen waren und einen Aldi fanden. Augenscheinlich waren wir so weit im Norden, dass der Aldi schon nicht mehr Aldi Süd hieß. Vor allem gibt es dort richtig leckeren Orangensaft. Ich habe gleich eine ganze Kiste mit nach Gießen genommen!
Nachdem die Einkäufe erledigt waren fuhren wir wieder auf den Hof. Bald klopfte es auch an unsere Tür und unsere Reitlehrerin – Claudia – stand davor. Wir besprachen uns mit ihr und ich konnte sogar noch am gleichen Abend eine Reitstunde nehmen.
Claudia teilte mir einen Fjordi namens Herling zu (schrecklicher Name =P) und ich holte ihn mir vom Paddock und putzte ihn dann auf dem Hof. Claudia hatte stets einen wachsamen Blick auf mich, auch beim Satteln. Schließlich waren wir reitfertig und gingen auf den Platz, wo ich aufsitzen und losreiten durfte. Nach einigen Warmmach-Übungen waren Fjordi und ich gut drauf und trabten los. Wir hatten uns auch ganz gut auf einander eingestellt, bis auf dass der Gute immer mal wieder ziemlich langsam lief. Mit dem Galopp klappte es nicht so wirklich. Am Ende schnaufte und stöhnte ich und Fjordi lief eine Art Tralopp, aber die Faulheit siegte und irgendwann klappte es gar nicht mehr.

Am nächsten Tag hatten wir dann beide eine Reitstunde morgens. Torsten bekam erstmal das Putzen beigebracht. Er überwand seine Skepsis vor dem großen Tier und machte sich ganz gut, bis auf das Hufe auskratzen, das klappte noch nicht so richtig. Aber nicht schlimm, immerhin hatte er vor ein paar Wochen ja noch Angst vor Pferden gehabt =)
In der Sonne war es affenheiß und wir brüteten auf den Pferden. Torsten lernte, Schritt zu reiten ohne runterzufallen und auch ein bisschen zu lenken, was nicht immer von Erfolg gekrönt war, da Konsul, sein Pony, ständig meinem Fjordi hinterherlaufen wollte. Und dickköpfig, wie Ponys eben sind, musste Torsten sich einige Male durchsetzen, was aber auch gut klappte.
Der Galopp war heute besser und Fjordi lief richtig schön. Langsam verstehe ich es, warum manche Leute von Großpferden auf Ponys umsteigen. Die sind einfach viel leichter auszusitzen! Eine Wohltat! Außerdem kommt man besser rauf ;P

Mittags sahen wir Claudia bei der Arbeit mit einem Zweijährigen zu, der langsam an Stimmkommandos gewöhnt wurde. Dabei saßen wir im Gras, bruzzelten in der Sonne und ich dachte mir, so müsse das Leben doch immer sein!
Danach waren wir nochmal einkaufen ehe es nochmal aufs Pferd ging. Torsten drehte seine Runden und Konsul ließ sich von ihm kreuz und quer durch die Bahn lenken. Claudia war im Fotowahn und fotografierte uns von allen Seiten.
Und Fjordi und ich fochten einen Kampf aus, ob wir nun schnell oder langsam trabten. Fjordi gewann. Ich gab schwitzend auf.
Abends waren Torsten und ich essen in einem gutbürgerlichen Restaurant im Nachbardorf – genannt Jägerstube. Wir wurden neugierig angeschaut als wir eintraten und uns einen Platz suchten. Immerhin waren hier nur Stammgäste anwesend und wahrscheinlich kannte jeder jeden. Wir bestellten unser Schnitzel und verschlangen dann noch einen Eisbecher.
Nachts schlief ich nicht so gut wie die Nacht davor. Mir war es vermutlich einfach zu still und zu dunkel auf dem Land.

Am nächsten Morgen warteten die beiden Wachhunde vom Hof wieder vor unserer Tür und begrüßten uns freudig. Da es Sonntag war und wir wieder abreisen mussten, packten wir unsere Sachen und machten die Wohnung sauber, ehe wir zur Reitstunde hinaus gingen. Claudia war wieder gut gelaunt und plauderte mit uns, während wir die beiden Ponys fertig machten. Fjordi war extrem aufgekratzt, musste alles in den Mund nehmen und anlutschen, sich ständig umdrehen, mit dem Huf scharren und den Kopf schütteln. Und dann versuchte er noch, den Knoten zu lösen, mit dem er festgemacht war… Tzzz! An diesem Morgen war er eine echte Nervbacke! Die Reitstunde fand wieder in der Mittagshitze auf dem Platz statt. Torsten schritt auf Konsul munter durch die Gegend und trabte sogar ein Stück, wenn auch noch etwas wackelig.
Und Fjordi und ich fochten einen Kampf aus, ob wir denn nun mal gescheit galoppieren könnten oder nicht. Ich gewann.
Danach waren wir alle schweißgebadet und wir ließen die Ponys nach dem reiten auf dem Platz frei, sie wälzten sich und fraßen dann ein bisschen Gras während wir das Auto einräumten. Und dann hieß es verabschieden… von Fjordi, von Claudia, von den Hunden und natürlich auch von unserem Vermieter.

Auch wenn ich eigentlich gar nicht mehr wegwollte, saßen wir bald im Auto und mussten die Heimreise antreten. Auf dem Rückweg hielten wir beim Kirchheim-Mägges und das Highlight war der Milkshake, da es mittlerweile richtig richtig warm war.
Gegen Nachmittag waren wir wieder hier in Gießen, duschten und ließen den Tag dann ausklingen.
Die zwei Tage auf der Hennemühle waren wirklich wunderschön, wir hatten super Wetter, tolle Pferde und eine supernette Reitlehrerin.
Heute musste ich aber ja leider wieder in die Uni, denn Lebbe geht ja weiter bekanntlich … Die Härte war die Privatrechtsvorlesung, in der das Skript nicht online gestellt wird. Das macht der Prof wohl, damit alle zuhören und Notizen machen, aber damit erreicht er genau das Gegenteil, denn alle versuchen hysterisch abzuschreiben oder die Leinwand zu fotografieren und wenn er die Folie wechselt, hat keiner mitbekommen, was er dazu gesagt hat. Hauptsache, alle haben die Folien, wissen aber nicht, was sie bedeuten!
Ich habe heute mein erstes Buch für dieses Semester erworben – Wirtschaftsprivatrecht von Peter Müssig. Ein echter Schinken sage ich euch! Aber ich hab das Gefühl, daraus könnte ich was lernen.
Mittlerweile habe ich von mehreren meiner Kommilitonen gehört, dass sie sich überlegen, den Studiengang zu wechseln oder das Studium abzubrechen, weil es einfach zu schwer ist und die ersten Klausuren einfach Banane waren. Da fühlt man sich gleich doppelt beschwingt, wenn man alles bestanden hat und immer noch an seine Fähigkeiten glaubt, jedes Semester aufs neue zu meistern!
Gegen acht Uhr war die Uni vorbei und Torsten und ich fuhren bei mir in der 714 vorbei. Und da standen echt Lastwagen vom Elektro Gernhardt, die bestimmt zwanzig Arbeiter ausspuckten. Und die stehen dann alle rauchend und Bier saufend in ihren roten Latzhosen jeden Abend vor der Tür! Was die an Bierkästen da reinschleppen is ja nicht mehr feierlich. Und dass die ne Invasion des Hauses planen auch nicht. ICH GLAUBE DIE WOHNEN ALLE DA! Die ganze Treppe war zugestellt von denen. Es werden jeden Tag mehr. Strange people.
Aber nun wirds langsam spät und da ich morgen um 10 wieder Uni hab beende ich an dieser Stelle meinen Bericht.
Torsten hat immer noch Hinternschmerzen und Muskelkater vom Reiten und spielt irgendwelche sinnfreien, geräuschvollen Spiele im Internet und ich esse Marzipaneier und blogge. So wird der Abend also zuende gehen =)
Bis demnächst! Eure Fjordi-Meisterin.